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Wo die Flüchtlinge heimisch werden

Sabine Camedda

Der Charakter des Hotels hat die Seeben in Ennetbühl ein bisschen behalten. In der Küche werden jeden Tag drei Mahlzeiten gekocht, die Zimmer sind belegt und in den Gängen herrscht ein Kommen und Gehen. Dennoch: Mit einem Hotel hat das Integrationszentrum nichts gemein. Bis zu 60 Personen – Männer, Frauen und Kinder – leben dort. Die Kinder gehen zur Schule, die Erwachsenen lernen intensiv Deutsch und helfen gemäss einem Ämtliplan im Betrieb mit. Dass das Zusammenleben der Menschen verschiedener Generationen und aus verschiedenen Ländern und Kulturen funktioniert, ist das Verdienst des Zentrumsleiters Michael Forster und seines Teams. Rund um die Uhr ist mindestens ein Betreuer vor Ort und steht den Flüchtlingen für ihre Anliegen zur Verfügung. Sei es für Auskünfte im Umgang mit Behörden, sei es bei medizinischen Fragen, bei der Organisation einer Geburt oder sei es, wenn das wöchentliche Taschengeld ausbezahlt wird.

 

Die Sprache und den Schweizer Alltag kennen lernen

Wer in die Seeben kommt, hat entweder einen positiven Asylbescheid erhalten, oder wurde aufgrund der Situation in seinem Herkunftsland vorläufig aufgenommen (siehe Zweittext).

«Unsere Aufgabe als Integrationszentrum der St.Galler Gemeinden ist es, die Menschen soweit mit der Sprache und mit dem Alltag vertraut zu machen, dass sie selbstständig in einer Gemeinde leben können», fasst Roger Hochreutener zusammen.

Er ist Geschäftsführer des Trägervereins Integrationsprojekte St.Gallen (TISG), der das Integrationszentrum Seeben im Auftrag der 77 Gemeinden führt. Auf den Alltag vorbereiten beginnt damit, dass die Menschen, die unter Umständen längere Zeit auf der Flucht waren, in einen geregelten Tagesablauf kommen. Frühstück, Mittagessen und Abendessen gibt es zu fixen Zeiten, individuelles Kochen einzelner Mahlzeiten ist nicht möglich. Die Flüchtlinge müssen lernen, Abmachungen, wie beispielsweise Arzttermine, einzuhalten oder die Kinder regelmässig in den Schulunterricht zu schicken. Vordergründig müssen die Erwachsenen Deutsch lernen. Dafür gibt es eigene Lehrpersonen in der Seeben.

«Wir richten unseren Sprachunterricht nach dem Konzept der Quartierschule aus», sagt Zentrumsleiter Michael Forster.

Damit werden gute Erfolge erzielt. Denn die Flüchtlinge werden nicht nur mit der Sprache an sich konfrontiert, sie lernen auch einiges zur Kultur in der Schweiz und zu unseren Umgangsformen.

«Bei uns fängt die Integration sofort an», sagt Michael Forster.

Kommt jemand in die Seeben, wird nebst der sprachlichen und der sozialen Integration auch an den beruflichen Kompetenzen gearbeitet

«Wenn jemand beispielsweise jahrelang in Syrien als Elektriker gearbeitet hat, heisst das noch lange nicht, dass er sich in unserer Hightech-Wirtschaft zurechtfindet», sagt Roger Hochreutener.

Die Aufgabe des Integrationszentrums ist darum auch, zusammen mit dem Flüchtling Perspektiven für das Leben in der Schweiz zu erarbeiten.

 

Jeder Mensch verfügt über Potenzial

Bereits während des Aufenthalts in der  Seeben wird zusammen mit den Regionalen Potenzialabklärungs- und Arbeitsintegrationsstellen der St.Galler Gemeinden (Repas) ein Coaching angefangen. Dieses wird, auch wenn der Flüchtling die Seeben verlassen und eine Wohnung in einer Gemeinde bezogen hat, weitergeführt. Mit Praktika und Berufsvorbereitungen werden die Flüchtlinge an eine Berufsausbildung herangeführt.

«Wir sehen die Flüchtlinge, die zu uns kommen, als Menschen mit Kompetenzen. Es ist also wichtig, diese herauszufinden, um den Menschen auf unsere Arbeitswelt vorzubereiten», sagt Michael Forster. «Wir im Kanton St.Gallen arbeiten seit Jahren mit Erfolg daran, die Flüchtlinge in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen», ergänzt Roger Hochreutener.

 

Roger Hochreutener, Geschäftsführer Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen.
Bild: Urs Bucher

Integration ist Aufgabe der Kantone

Die Schweiz hat per 1. März 2019  das Asylgesetz revidiert. Dies brachte mit sich, dass die Asylverfahren gemäss einem strikten Ablauf durchgeführt werden. Reist eine Person in die Schweiz ein und stellt dort ein Asylgesuch, ist zunächst der Bund für diese Person zuständig. Sie wird in einem Bundesasylzentrum untergebracht, wo verschiedene erste Abklärungen laufen. Hat die Person beispielsweise bereits in einem anderen Land ein Asylgesuch gestellt, kommt das sogenannte Dublin-Verfahren zur Anwendung. Das heisst, dass das Asylverfahren in diesem Erstland durchgeführt werden muss.

Bei rund 32 Prozent der Asylsuchenden kann innerhalb von kurzer Zeit ein positiver oder negativer Entscheid gefällt werden. Wird das Asylgesuch abgelehnt, muss die Person die Schweiz verlassen, sofern die Rückkehr in sein Heimatland zumutbar ist. Ist dies nicht der Fall, wird die Person vorläufig aufgenommen. Diese Menschen sowie die Asylbewerber, deren Asylgesuch positiv beantwortet wurden, kommen in die Zuständigkeit eines Kantons. Diese bringen die Menschen mit dem Status Flüchtling und die vorläufig Aufgenommenen in Integrationszentren – beispielsweise in der Seeben in Ennetbühl – unter. Bei rund zwei Fünftel aller Asylsuchenden kann der Entscheid über ein Asylgesuch nicht einfach gefällt werden. Diese Personen werden während der Wartezeit ebenfalls den Kantonen zugewiesen. Sie wohnen in kantonalen Integrationszentren. Nach einer gewissen Zeit stellt sich auch bei ihnen die Weiche, ob es einen Verbleib in der Schweiz gibt oder ob diese Personen ausreisen müssen. Erst wenn die Integration soweit fortgeschritten ist, dass die Flüchtlinge eigenständig wohnen können, werden sie gemäss einem definierten Schlüssel auf die Gemeinden verteilt. Diese sind in der Folge für die weitere Betreuung zuständig. (sas)

Asylverfahren in der Schweiz seit März 2019

Serge
Baumgartner

Leiter Integration

Nicole
Montavon

Coach Arbeitsintegration

Dina
Ebert

Coach Arbeitsintegration

Dunja
Haas

Psychologin Care Team

Karl
Schlumpf

Coach Arbeitsintegration

Sabine
Kirchmayr

Coach Arbeitsintegration

Susanne
Michel

Coach Arbeitsintegration

Kurt
Hartmeier-Stamm

Integrationscoach Unbegleitete Minderjährige

René Frei

Coach Arbeitsintegration

Christelle
Wick

Coach Arbeitsintegration

Cornelia
Mestka

Coach Arbeitsintegration

Sonia
D’Errico

Coach Arbeitsintegration

Eduardo
Hümbeli

Coach Arbeitsintegration

Christoph
Erni

Coach Arbeitsintegration

Urs
Kuhn

Coach Arbeitsintegration

Matthias
Eggenberger

Coach Arbeitsintegration

Luljeta
Granwehr

Coach Arbeitsintegration